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„Dritte Wahl“ zählt zu den wenigen Bands aus Deutschland, auf deren Platten oder Livegigs wir immer mit Sehnsucht warten. In der gleichen Liga spielten u.a. „Wizo“, „Hass“ und vielleicht noch „EA 80“. Aber die gibt es ja leider nicht mehr, bzw. die sind in einer ganz anderen Ecke angesiedelt. Und um so wichtiger erschein es uns die Band aus Rostock mit ein paar Fragen zu löchern und Euch den neusten Stand in Bezug auf die Band zu präsentieren. Interviews sind ohne hin sehr selten (warum eigentlich?) und so nahmen wir anlässlich eines Gigs in Weißwasser die Gelegenheit beim Schopf und stellten unsere Fragen.
Könnt ihr mittlerweile von eurer Musik leben bzw. was macht Ihr neben der Musik? Gunnar: Momentan machen wir nichts anderes. Da wir nur drei Mann sind funktioniert das auch, aber schon einer mehr und das Ganze würde nicht mehr klappen. „Hauptberuflich“ zu Musizieren war im übrigen nicht unser erklärtes Ziel, aber seit Harz 4 wird es immer schwerer sich so „durchzumogeln“. Für einen regulären Job sind wir zu viel unterwegs. Wir machen heute alles selbst, Label, Booking, Merchandise usw. - so bleibt alles bei uns. Wie sieht es mit der Zeit nach Dritte Wahl aus, wie wollt ihr dann euren Lebensunterhalt bestreiten? Gunnar: Gute Frage! Wir versuchen das nicht so sehr an uns rankommen zu lassen. Letztlich weiß ein Fliesenleger auch nicht, ob er mit 50 noch knien kann. Vielleicht machen wir es so wie die Phudys und spielen bis zur „Rockerrente“!? Das kann man durchaus als Warnung verstehen! Das Schicksal hat der Band vor drei Jahren einen schweren Schlag versetzt. Im Alter von 35 Jahren verstarb Euer Freund und Bassist Busch'n. Hat diese Erfahrung die Einstellung zum Leben nachhaltig verändert? Gunnar: Natürlich hat dieser Schlag unsere Sinne dafür geschärft, dass das Leben nicht endlos ist und das es nicht für alle bis 66 oder weiter geht. Es war eine schlimme Zeit und seinen besten Freund allmählich vergehen zu sehen wünsche ich keinem. Aber das Leben geht weiter, wir sind noch hier und bis wir Busch´n folgen vergehen hoffentlich noch viele Jahre. Der Alltag schleicht sich natürlich auch bei uns wieder ein. Heute erwische ich mich auch schon mal am Abend eines Tages und muß rückblickend feststellen, dass ich nicht so recht zufrieden bin, mit dem was ich an diesem Tag getan, oder gelassen habe. So ist es halt! Stefan, hattest du es eigentlich schwer dich in die Band "einzuleben" bzw. wie haben dich die Fans von Dritte Wahl aufgenommen? Stefan: Nein, mich in die Band „einzuleben“ war nicht schwer da wir uns lange, bevor ich als Bassknecht dazu kam, kannten. Ich bin vorher schon einige Zeit als Beleuchter mitgefahren und kannte daher die Jung`s mit all ihren Macken und so war es natürlich super nicht in eine fremde und unbekannte Welt einzutauchen. Und bis jetzt ist alles schick und ich hoffe das bleibt auch noch eine ganze weile so! Zum zweiten Teil der Frage kann ich nur sagen das es für mich ein sehr schönes Gefühl ist wie die Fans mich angenommen haben, alles ist gut und sehr freundlich. Sicherlich hat man auch den ein oder anderen dabei der nicht so zufrieden mit der „Wahl“ ist gerade mich als Bassmann einzusetzen, aber das gehört dazu und ist auch ok. Jedem alles recht zu machen das schafft eh keiner also bleibt das nicht aus. Wenn es Konflikte innerhalb der Band gibt, spielt dann die nahe Verwandtschaft von Gunnar und Krel eine Rolle bzw. kann man das dann immer außen vor lassen? Gunnar: Bisher gab es diese Situation in unserer jetzigen Besetzung nicht. Bei Meinungsverschiedenheiten in der Zeit mit Busch´n hat unsere Verwandtschaft nichts beeinflusst. (Das hoffe ich zumindest, ganz genau weiß man das ja nie!) Wenn man sich die Texte Eurer Platten ansieht kann man sehr schön die Entwicklung oder Veränderung der Band nachvollziehen. Von den ehemals sehr radikalen und deutlichen Aussagen („Auge um Auge“, „Militär“, „Bad K.“,...) habt ihr Euch auf den letzten Scheiben verstärkt anderen Themen gewidmet, bzw. diese anders verpackt. Gefühle, Gedanken, Beziehungen usw. rücken mehr in den Vordergrund. Wie entstehen eigentlich die Texte und Songs? Gunnar: Ach, das ist ganz unterschiedlich. Mal sieht man einen Bericht in den Nachrichten, oder hört eine Geschichte von einem Freund. Bücher und Zeitungen geben natürlich auch viele Geschichten her. Mit den Themen ist das so eine Sache. Wir haben nun schon 7 deutsche Platten gemacht und dabei allerlei Dinge besungen. Unser Ziel ist es schon uns nicht auf jeder Scheibe zu wiederholen. Die Eine oder Anderer Thematik taucht natürlich schon mal wieder auf, aber dann möglichst aus einer anderen Perspektive. „Rastermann“ und „Totale Überwachung“ sind Beispiel dafür, oder „NVA“ und „Militär“. Ich finde aber heute nicht mehr, dass unsere Songs zwingend politisch sein müssen. Eine politische Band sind und bleiben wir, so oder so. Ich mag und mache heute auch Songs, die kleine Geschichten erzählen. Meist kommen mir die Texte und die Musiken nahezu gleichzeitig in den Sinn. Da habe ich auf einmal eine Textzeile im Kopf und schon singe ich sie leise vor mich hin. Dieses Jahr feiert Dritte Wahl 20 jähriges Bestehen. Gibt es irgendwelche spannende / lustige Anekdoten die ihr in den 20 Jahren erlebt habt? Gunnar: In 20 Jahren erlebt man natürlich so allerhand. Wir haben nun knapp 900 Konzerte gespielt und dabei viele Höhen und Tiefen mitbekommen. Mal haben wir in Greifswald vor einem einzigen Gast gespielt, oder wir standen vor zehntausend Menschen und haben die Toten Hosen supported, mal haben wir total nüchtern gespielt, weil wir nachts nach Haus und morgens zur Arbeit mussten, dann wieder waren wir allesamt so voll, dass keiner mehr wusste wo oben oder unten war, mal spielten wir in den kleinsten Dörfern (was meist auch sehr schön war) und dann wieder traten wir mit Exploited in Paris und Mailand auf, mal hieß es „Zeit bleib stehen“ und dann wieder „hoffentlich ist diese Scheiße bald vorbei“. Vielleicht findet jemand von uns mal irgendwann die Zeit ein paar Anekdoten nieder zu schreiben. Leider sind mit Busch´n auch viele Erinnerungen gegangen. Er war so etwas wie unser „Gedächtnis“. Er konnte sich noch Jahre später an gewisse Auftritte oder andere Geschichten erinnern. Wie hat sich die Punkszene aus eurer Sicht in den letzten 20 Jahre verändert? Gunnar: Es ist entspannter geworden. Früher wurde vor, bei und nach unseren Konzerten oft alles kaputt gemacht. Anstatt sich zu freuen, dass es Clubs und Menschen gab, die Punkkonzerte veranstalteten wurden regelmäßig die Mikros geklaut, alle Toiletten und Waschbecken abgetreten und draußen ging auch oft die Post ab. Für uns waren diese Geschichten immer eher hinderlich. Es klang vielleicht für den Einen oder die Andere recht aufregend, wenn es hieß „beim Konzert schön alles klar gemacht!“, aber für uns gab es eine Zeit lang richtig Regionen in denen wir nicht mehr spielen konnten. Keiner wollte das noch machen und wenn kam halt der Bürgermeister dazwischen. In sofern ist es heute einfacher für uns. Die „Punkszene“ als solche ist heute so breitgefächert und so unterschiedlich, dass man da gar nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Es gibt heute so viele verschiedene und trotzdem richtige Definitionen von Punk und genau das ist erlaubt und erwünscht. Das finde ich super. Life seid ihr ja zur Zeit sehr aktiv, aber euer letztes Studioalbum ist aus dem Jahre 2005. Wann gibt es einen neuen Longplayer? Gunnar: ENDE 2005! Wir hoffen, dass es Anfang/Mitte 2009 eine neue Scheibe von uns geben wird. Wir haben schon einige Ideen, brauchen aber noch etwas Zeit. Uns drängt ja keiner! Bei euren Tourdaten kann man sehen, dass ihr fast jedes Wochenende spielt, was sagen eigentlich eure Familien dazu? Gunnar: Unsere Familien sind wirklich großartig! Wir haben ja alle auch Kinder Zuhaus und trotzdem „dürfen“ wir immer noch fast jedes Wochenende „zum Städtele hinaus“!. Wenn wir aber dann doch mal länger daheim sind, wie zum Beispiel Anfang des Jahres, wo wir nach einer Sprunggelenk-OP bei mir 6 Wochen pausieren mussten, sind hinterher alle froh wenn es wieder losgeht. Wir haben uns halt alle daran gewöhnt. Neben der Band „Dritte Wahl“, gibt es seit geraumer Zeit auch ein Label. Wer steckt dahinter und was habt ihr bereits verzapft? Gunnar: Das Label machen wir allein. Nachdem wir zweimal mit anderen Personen Schwierigkeiten hatten wollten wir unsere Sachen selbst in die Hand nehmen. Zunächst sollte dieses Label ausschließlich für unsere eigenen Produktionen da sein, wir haben dann aber doch ziemlich schnell auch andere Werke veröffentlicht. „Wehr dich“ von den Skeptikern, die Baffdecks, die zwei Rostocker Lokalhelden von Mainpoint und Coogans Bluff zum Beispiel. Jüngstes Kind: „Tritt in den Arsch“ von den Daily Terroristen. Alle diese Veröffentlichungen basieren auf einem sehr freundschaftlichen Verhältnis zu den Bands. Wie sieht die Zukunft für das Label aus. Welche Pläne gibt es? Gunnar: Wir wollen noch eine Weile Spass haben. Wenn wir noch ein paar Jahre das heutige Level halten können sollte alles gut sein! Ich hoffe, das wir den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem wir uns in Würde verabschieden sollten. Irgendwann ist natürlich auch unsere Zeit vorbei. Das kann von mir aus aber noch ein paar Jahre dauern! http://www.dritte-wahl.de Arnim und Daniel Bohla 20 Jahre Dritte Wahl! Die Tour zum Geburtstag!
10.10.08 Lübeck - Treibsand (mit Rasta Knast, DDP & Seenot) 11.10.08 Düsseldorf - Zakk (mit Rasta Knast, Verlorene Jungs) 24.10.08 Immenhausen - Akku (mit den Fuckin’Faces) 25.10.08 Leipzig - Kulturbundhaus (mit den Fuckin’Faces) 06.11.08 Eberswalde - Exil (mit dabei: Die Skeptiker) 07.11.08 Cottbus - Gladhouse (mit dabei: Die Skeptiker & Manos) 08.11.08 Magdeburg - Sackfabrik (mit dabei: Die Skeptiker & Manos) 14.11.08 Potsdam - Lindenpark (mit den Fuckin’Faces) 15.11.08 Chemnitz - AJZ Talschock (mit den Fuckin’Faces) 19.11.08 Münster - Sputnik-Halle (mit dabei: Rasta Knast & Schlappn) 20.11.08 Hildesheim - Kulturfabrik Löseke (mit dabei: Die Dödelhaie) 21.11.08 Reutlingen - Zelle (mit dabei: Die Dödelhaie) 22.11.08 München - Feierwerk (mit dabei: Die Dödelhaie) 28.11.08 Freiburg - Wahlfisch (mit Rasta Knast) 29.11.08 Mannheim - Juz (mit Rasta Knast) 05.12.08 A - Wien - Arena (mit dabei: Fliehende Stürme) 06.12.08 A - Linz - Stadtwerkstatt (mit dabei: Fliehende Stürme) 07.12.08 A - Innsbruck - PMK (mit dabei: Fliehende Stürme) 09.12.08 CH - Luzern - Sedel (mit dabei: Fliehende Stürme) 10.12.08 Frankfurt M. - Nachtleben (mit dabei: Fliehende Stürme) 11.12.08 Nürnberg - Kunstverein (mit dabei: Fliehende Stürme) 12.12.08 Dresden - Scheune (mit dabei: Fliehende Stürme) 13.12.08 Jena - Kassablanca (mit dabei: Fliehende Stürme) 19.12.08 Rostock - Mau Club (mit dabei: Fuckin’Faces & Coogans Bluff) 20.12.08 Rostock - Mau Club (mit dabei: Crushing Caspers & Mainpoint)
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